„Freyheit“ - eine Ära geht zu Ende

06. JUL 2020 Aktuelles

Dieses Jahr geht kein normales Schuljahr zu Ende, es geht ein Krisenjahr zu Ende und gleichzeitig das letzte Schuljahr von Oberstudiendirektorin Christel Frey

Ein großes rauschendes Fest zum Abschied – das hatte sich Frau Frey gewünscht. Doch alles kam anders. Das Abschiedsfest musste improvisiert werden. Und trotzdem war es ein sehr bewegender Abschied.

Das lag vor allem daran, dass sich die Musiklehrer etwas ganz Besonderes ausgedacht hatten: Mit einem im Freien stattfindenden Flashmob auf Abstand verabschiedete sich am Donnerstagvormittag das Lehrerkollegium von seiner Direktorin. „Freyheit, Freyheit“ schallte es aus allen Ecken des Gymno-Vorplatzes. Das Gefühl, dass sich mit diesem Abschied auch das Ende einer Ära verbindet, stellte sich bei allen Beteiligten schlagartig ein. 

Dass die Überraschung sichtlich gelungen war, merkte man der zukünftigen Ruheständlerin an. Damit hatte sie nicht gerechnet. „Freyheit, Freyheit, neue Wege angedacht, alle Tore aufgemacht“ klang es nach dem Corona bedingten eingeschränkten Schulbetrieb der letzten Monate lebhaft aus der Schule. 

Denn zuvor hatte es nie Stillstand am Gymno, an dem Christel Frey seit 2001 als Direktorin wirkte, gegeben. Unter ihrer Leitung wurde die Schule mehrfach erweitert, umgebaut und renoviert. Dabei verlor sie die Hauptaufgabe nie aus dem Blick: die Vermittlung einer guten Bildung. Frau Frey setzte dem Gymno ihren Stempel auf vor allem hinsichtlich eines kooperativen Umgangs miteinander, eines breit aufgestellten Unterrichtsangebotes, eines vielfältigen Schüleraustauschangebots und eines caritativen Auftrags in Zusammenarbeit mit dem Camara-Kreis Nieder-Olm.

Nach innen stand sie vor allem für eine reibungslose und gut durchdachte Organisation. Sie führte Lehrer und Schüler mit starker, verantwortungsbewusster Hand. Dies konnte sie gerade in den letzten Monaten nochmal eindrucksvoll unter Beweis stellen, indem sie das wankende Schiff durch die Stürme der Anforderungen des Ministeriums, der Bedürfnisse des Kollegiums und der Belange der Schülerinnen und Schüler führte. Die ganze Schulgemeinde konnte sich auf sie und ihr Team verlassen.

Die Verbindung des Gymno mit Frau Frey war von langer Dauer: Von 1982 bis 1995 war sie als Lehrerin für Deutsch und Geschichte am Gymnasium tätig. In dieser Zeit führte sie neben ihrer Unterrichtsverpflichtung auch zahlreiche Theaterprojekte durch. Mit Engagement und Zugewandtheit schaffte sie es, den Schülerinnen und Schülern Denkanstöße zu geben und selbstgesteuertes literarisches Lernen zu initiieren. Ihr Faible fürs Theater gab sie bis in ihren letzten Grundkurs Deutsch weiter, den sie abends häufiger ins Staatstheater nach Mainz führte.

Nach einem Zwischenspiel als stellvertretende Schulleiterin an der IGS Bretzenheim und als Fachreferentin für Gymnasien und Gesamtschulen bei der Bezirksregierung in Neustadt (später ADD) kam sie als Schulleiterin 2001 zurück. 

Nach außen trat sie als Schulmanagerin auf, indem sie die Interessen der Schule und aller rheinland-pfälzischen Gymnasien als Landessprecherin der Schulleiterinnen und Schulleiter vertrat. Außerdem war sie seit der Gründung des Zentrums für Lehrerbildung der Johannes-Gutenberg-Universität Mitglied der kollegialen Leitung des Gremiums. 

Gerade in den letzten Monaten zeigte Frau Frey ihre Stärke, ihren unbeirrbaren eigenen Weg zu gehen – im Vertrauen auf ihre eigene Person und der Stärke ihres Teams. Wir als Kollegium gehen deshalb gut vorbereitet aus dieser schweren Krise heraus ins nächste Schuljahr, ohne genau zu wissen, was uns dort erwartet. 

Wenn es auch kein rauschendes Fest am Ende ihrer Dienstzeit ist, so wird ihr Rauschen noch eine kleine Ewigkeit durch die Räume ziehen, denn sie hat eine Ära geprägt. 

Wir wünschen ihr für den wohlverdienten Ruhestand wirkliche Freiheit von den Zwängen ihrer Position und die Chance, ihren Hobbys, dem Reisen, dem Theater und Reiten, zu frönen. Wir sind alle zuversichtlich, dass sie auch da ihren eigenen Freyheitsweg finden wird.

 

Text: Susanne Thomas

Foto: Mathias Brug

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