Lügen, Leaks und Desinformation - ein Vortrag des stellvertretenden ZDF-Chefredakteurs Elmar Theveßen

29. MAI 2017 Aktuelles

Vortrag des stellvertretenden ZDF-Chefredakteurs Elmar Theveßen zu „Lügen, Leaks und Desinformation – verlässlicher Journalismus in stürmischen Zeiten“ am GymNO

Der richtige Umgang mit medialer Information ist heute wichtiger denn je. Ging es in den 80er-Jahren beim Thema Medienkompetenz darum, die Mechanismen der Werbeindustrie und Wahlkampfstrategien der Parteien transparent zu machen, stehen die Schulen heute vor einer viel größeren Aufgabe.

Dies machte der stellvertretende ZDF-Chefredakteur Elmar Theveßen in seinem Vortrag in der Aula des GymNO deutlich. „Bildung ist der entscheidende Schlüssel, um den Umgang mit den neuen Medien zu erlernen“, sagte Theveßen, der auf Einladung des SEB nach Nieder-Olm gekommen war.

Die Vielzahl von Blogs, Nachrichtenportalen und sozialen Netzwerken sei für Eltern und Lehrer nicht mehr zu überblicken. Aber gerade dort verbreiteten IS-Anführer oder Rechtsradikale ihre Botschaften. Um nicht in die Fänge der Extremisten zu geraten, sollten die Jugendlichen in der Lage sein, die dort verbreiteten Inhalte zu überprüfen und sich selbst ein Urteil zu bilden.

Dabei komme dem seriösen Journalismus laut Theveßen eine große Bedeutung zu. Dank sorgfältiger Recherche, Unabhängigkeit der Redakteure sowie eines engmaschigen Informantennetzes können sich Zuschauer, Leser und Hörer hier ihre eigene Meinung bilden, sagte Theveßen, der selbst enge Kontakte zu den Sicherheitsbehörden halte, mit denen er sich im ständigen Austausch befinde.

Die Digitalisierung stelle die Medien vor eine große Herausforderung. Nachrichten werden inzwischen fast in Echtzeit verbreitet, da sei es nicht immer leicht, auf Anhieb „wahr“ von „falsch“ zu unterscheiden. „Wir wollen nicht die Ersten sein, wir können auch mal die Fünften sein, aber wir überprüfen das Nachrichtenmaterial so lange, bis wir es verifiziert haben, bevor wir es veröffentlichen“, sagte Theveßen. „Und wenn wir uns mal irren, dann erwähnen wir das auch.“

Auf die Frage einer Zuhörerin, ob die digitalen Medien Fluch oder Segen seien, antwortete Theveßen ohne zu zögern: „Die neuen Nachrichtenkanäle sind für uns eine riesen Chance.“

Damit sei die Meinungsvielfalt gesichert, die in einer Demokratie zu den wichtigsten Merkmalen zählt.

Text: Anuschka Weisener (SEB-Kommunikation)

Foto: Pirmin Maurer (SEB)

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