Nach intensiver Vorbereitung auf das „Abenteuer China“ machte sich Ende Mai eine Gruppe von Schülerinnen und Schülern gemeinsam mit den begleitenden Lehrkräften auf den Weg in die Volksrepublik.
Ziel war die renommierte Yan’an High School in Shanghai, mit der das Gymnasium seit 2008 einen regelmäßigen Austausch pflegt. Nach der pandemiebedingten Unterbrechung konnte in diesem Jahr erstmals wieder eine gemeinsame Reise stattfinden – ein Wiedersehen, das auf beiden Seiten mit großer Vorfreude erwartet wurde. Die chinesischen Austauschpartner waren bereits im vergangenen August zu Gast in Rheinhessen gewesen.
Bevor wir Shanghai erreichten, führte unsere Reise zunächst nach Peking. Dort erlebten wir eine Stadt, in der sich Geschichte und Gegenwart auf eindrucksvolle Weise überlagern. Gemeinsam mit unserem Guide Jonas erkundeten wir einige der bedeutendsten Sehenswürdigkeiten Chinas: die Verbotene Stadt, den Himmelstempel und den Platz des Himmlischen Friedens. Gleichzeitig erhielten wir lebendige Einblicke in den chinesischen Alltag – etwa in Parks, in denen ältere Menschen selbstverständlich ihre Freizeit gestalten und gemeinschaftlich Sport treiben. Auch die kulinarische Vielfalt der chinesischen Küche wurde dabei erlebbar: Weit über Reisgerichte hinaus lernten wir die chinesische Esskultur kennen und kamen als Gruppe unter anderem in den Genuss eines traditionellen Hot-Pot-Essens.
Ein besonderer Höhepunkt war der Besuch der Chinesischen Mauer. Bei strahlend blauem Himmel hinterließ dieses Weltwunder einen nachhaltigen Eindruck bei uns allen. Eine Schülerin fasste ihre Eindrücke später mit den Worten zusammen: „Das war der schönste Tag meines Lebens.“ Abseits der stark frequentierten Abschnitte führte unser Weg über einen weniger erschlossenen Teil der Mauer, der zunächst einen anspruchsvollen Aufstieg erforderte – ein Weg, der sich für alle mehr als lohnte.
Trotz der rund 22 Millionen Einwohner wirkte Peking vielerorts überraschend ruhig. Der hohe Anteil an Elektrofahrzeugen, E-Rollern und Fahrrädern sorgt für eine angenehme Geräuschkulisse. Gleichzeitig überraschte uns die gute Luftqualität in einer Stadt dieser Größe.
Mit dem Hochgeschwindigkeitszug ging es anschließend auf die rund 1 300 Kilometer lange Strecke nach Shanghai. Im Mittelpunkt unseres Aufenthalts stand dort der Besuch unserer Partnerschule, der Yan’an High School. Wir wurden von der gesamten Schulgemeinschaft herzlich empfangen und im Rahmen einer feierlichen Morgenzeremonie begrüßt. Der Schultag beginnt in Shanghai bereits früh gegen sieben Uhr mit einem gemeinsamen Ritual auf dem Sportplatz: Während die Nationalflagge gehisst wird, versammeln sich alle Schülerinnen und Schüler. Anschließend folgt eine gemeinsame Gymnastikeinheit im Aerobic-Stil. Dieses eindrucksvolle Ritual blieb uns nachhaltig in Erinnerung – einige nahmen sogar aktiv daran teil. „Mich haben vor allem das starke Gemeinschaftsgefühl und die Energie beeindruckt, mit der alle gemeinsam in den Tag starten“, berichtete eine Teilnehmerin.
Während der Schulwoche lebten wir in einem Gästehaus auf dem Campus und waren vollständig in den Alltag der Schule integriert. Unterrichtsbesuche ermöglichten spannende Einblicke in das chinesische Bildungssystem. Besonders auffällig war der selbstverständliche Einsatz moderner Technologien: Künstliche Intelligenz spielt sowohl im Unterricht als auch in der technischen Ausstattung der Klassenräume eine wichtige Rolle und wird von Lehrkräften wie Schülerinnen und Schülern gleichermaßen genutzt. Darüber hinaus konnten wir den Informatikunterricht kennenlernen, in dem unter anderem Robotik, Flugsimulationen und 3D-Brillen zum Einsatz kamen. Ergänzt wurde das Programm durch vielfältige Workshops zu Tai Chi, chinesischer Papercut-Kunst, Literatur und Musik, die den kulturellen Austausch zusätzlich vertieften.
Ein besonderes Highlight war das Wochenende in den chinesischen Gastfamilien. Dort erhielten die Jugendlichen authentische Einblicke in das Alltagsleben ihrer Austauschpartner. Gemeinsam wurde gekocht, Ausflüge unternommen, Karaoke gesungen oder Lasertag gespielt.
Auch Shanghai selbst, eine Metropole mit über 24 Millionen Einwohnern, hinterließ nachhaltige Eindrücke. Neben der historischen Altstadt mit dem Yu-Garten und der belebten Einkaufsstraße Nanjing Road gab es zahlreiche weitere Erlebnisse, durch die wir die Vielfalt dieser Weltstadt kennenlernen konnten. Dazu gehörte auch der Besuch des Shanghai Towers. Von der Aussichtsplattform in rund 546 Metern Höhe konnten wir einen beeindruckenden Blick über Shanghai und die weitläufige Skyline der Stadt genießen.
Am Ende herrschte bei den Schülerinnen und Schülern sowie den begleitenden Lehrkräften große Einigkeit: Der Austausch war weit mehr als eine gewöhnliche Reise. Besonders die außergewöhnliche Offenheit und Herzlichkeit der Menschen vor Ort werden uns in besonderer Erinnerung bleiben. Die Begegnungen an der Partnerschule, das Leben in den Gastfamilien und viele gemeinsame Erlebnisse ermöglichten einen unmittelbaren Zugang zu einer anderen Kultur. Zugleich trug der große Zusammenhalt innerhalb der deutschen Gruppe wesentlich zum Gelingen des Austauschs bei.
Der Schüleraustausch wurde neben dem Förderverein unserer Schule und der ADD Trier auch aus Mitteln der Initiative „Schulen: Partner der Zukunft“ (PASCH) des Auswärtigen Amts gefördert und durch den Pädagogischen Austauschdienst (PAD) des Sekretariats der Kultusministerkonferenz unterstützt. Allen Unterstützern gilt ein herzlicher Dank.
Text: Katja Meyer
Fotos: Chen Jun, Xu Jin, Zhang Jing, Frank Rey, Katja Meyer